Aufnahmetechnik

Das Ausgangsmaterial für ein HDR Bild ist eine Belichtungsreihe, d.h. mehrere Bilder mit identischem Inhalt, die mit unterschiedlichen Belichtungszeiten aufgenommen sind. Damit der Bildausschnitt auf allen Einzelbildern gleich ist, benötigt man ein massives Stativ und einen Fernauslöser (Kabel, Infrarot, Funk – je nach Geldbeutel), denn jede noch so kleine Veränderung der Kameraposition während der Aufnahme der Einzelbilder führt in der Nachbearbeitung zu Problemen. Kleine Unterschiede kann man zwar per Software wieder ausbügeln, aber dazu später mehr. Zur Vorbereitung der Kamera:

Alle Einzelaufnahmen werden im voll-manuellen Modus gemacht. ISO sollte so niedrig wie möglich eingestellt sein, da die HDR Bearbeitung vorhandenes Rauschen noch verstärkt. Am besten wäre also eine Vollformat DSLR, aber da kommt wieder das Thema mit dem Geldbeutel ins Spiel. Nicht zu empfehlen ist eine ‚Pseudo-Senkung‘ des niedrigsten ISO, wie bei Nikon üblich, d.h. ich fotografier 95% meiner HDRs mit ISO200. Nur bei wirklich extrem dunkelen Szenen gehe ich mit dem ISO nach oben, denn um in einer sehr dunklen Umgebung ein überbelichtetes Bild zu erhalten, muss man die Verschlusszeit extrem nach oben schrauben, was auch wieder das Rauschen erhöht. Der nächste Parameter ist die Blende, und da gibt’s nur eine Regel: Die Blende muss bei allen Einzelbildern gleich sein. Ob offen oder geschlossen ist dann rein gestalterisch zu entscheiden – Stichwort Schärfentiefe.  Beim Weißabgleich gibt es keinen Unterschied zu normalen Bildern, allerdings sollte man den automatischen Weißabgleich vermeiden, sonst kann es vorkommen, dass bei den verschiedenen Belichtungszeiten die Automatik unterschiedliche Ergebnisse erzeugt, die später in der Nachbearbeitung wieder angeglichen werden müssen. Was mich zum nächsten Punkt bringt: Immer im RAW Format der Kamera fotografieren. Ich persönlich fotografiere immer RAW + jpg. Das Jpg aber mit geringster Qualität – zu dessen Verwendung komme ich noch.

So, Kamera ist eingestellt, dann kann’s ja los gehen. Oder doch nicht? Richtig, Fokussieren sollte man auch noch. Aber nur einmal, d.h. gewünschten Punkt anfokussieren und dann den Autofokus abschalten. Grund ist der gleiche wie beim Weißabgleich: Der Fokus soll bei allen Bildern gleich sein.

Jetzt aber…ne, noch nicht ganz: Um herauszufinden, welche Belichtungszeiten (und vor allem wie viele Einzelaufnahmen) benötigt werden, geht man so vor: Belichtungsmessung auf Spotmessung stellen, Kamera im Modus Blendenvorwahl (mit der gleichen Blende, die auch im manuellen Modus eingestellt ist). Dann misst man den dunkelsten Punkt im Bild an und merkt sich den von die von der Kamera vorgeschlagene Verschlussszeit. Anschliessend misst man den hellsten Punkt im Bild und merkt sich auch hier die vorgeschlagene Verschlussszeit. Jetzt wieder in den manuellen Modus wechseln und die gemerkte Verschlussszeit des hellsten Punktes einstellen. Von dieser aus macht man nun die Einzelbilder mit jeweils einer Blendenstufe Abstand bis man bei der gemerkten Verschlussszeit für den dunkelsten Punkt angekommen ist. Ich kenne auch Leute, die die Einzelbilder mit zwei Blendenstufen Abstand machen, aber mit einer Blendenstufe hab ich bessere Erfahrungen bei der Nachbearbeitung gemacht, weil die Unterschiede zwischen den Einzelbildern geringer sind und somit die Übergänge gleichmäßiger werden. Durch das Intervall der Verschlussszeiten ist somit auch automatisch die Anzahl der Einzelaufnahmen festgelegt…Sehe ich da ein Fragezeichen in deinem Gesicht.

Machen wir ein Beispiel:

Verschlussszeit dunkelster Punkt: 2s
Verschlussszeit hellster Punkt: 1/125s
Das ergibt folgende Belichtungsreihe: 1/125, 1/60, 1/30, 1/15, 1/8, 1/4, 1/2, 1,2 – also 9 Einzelaufnahmen.

Wenn die Kamera einen Bracketing Modus hat, kann man die Aufnahme auch vollständig oder zumindestens teilweise automatisieren. Wichtig ist dabei, dass auch hier die Kamera nur die Verschlussszeit ändern darf. Meine D90 hat z.B. auch einen ISO und einen Blitz Bracketing Modus, dass können wir hier nicht gebrauchen. Werden insgesamt mehr Bilder benötigt, als der Bracketing Modus der Kamera hergibt (die D90 kann z.B. immer nur 3 Bilder gleichzeitig machen), muss man eben mehrere Bracketing Aufnahmen machen. Im Beispiel wäre das bei mir: Kamera auf 1/125 stellen, automatisch 3 Bilder (1/125, 1/60, 1/30) machen, manuell auf 1/15 umstellen, wieder automatisch 3 Bilder machen (1/15, 1/8, 1/4) usw.

Fertig – Das war der einfache Teil ;-]

[zurück] [weiter]