Einmal Flammkuchen nach Art des Hauses, bitte…

Auf einer meiner letzten Dienstreisen hatte es mich in die südwestlichste Ecke von Deutschland verschlagen. Hungrig nach einem anstrengenden Arbeitstag saß ich im Hotel und betrachtete auf Google Maps die nähere Umgebung auf der Suche nach der nächstgrößeren Stadt um dort einen Happen zu essen…und natürlich einen kleinen Feierabend-Fotospaziergang zu machen. Baden-Baden war mein erster Gedanke, aber nach einer kurzen ‚Baden-Baden flickr Suche‘ schien mir dies kein spannendes Pflaster für einen HDR Fotografen zu sein – aber da lasse ich mich gern eines Besseren belehren.

Also ließ ich meinen Blick jenseits der deutsch-französichen Grenze schweifen und entdeckte natürlich sofort Strassburg, bzw. in Google Maps Manier in Landessprache Strasbourg. Wieder auf flickr nach Bildern aus der Region gesucht, und noch während das lahme Hotel WLan die ersten Bilder auf meinen Rechner pumpte, hatte ich schon die Zielkoordinaten in mein Navigon eingegeben. Was ich sah war überwältigend: Malerische Fachwerkhäuser, verwinkelte Gassen und die ganze innenstadt durchzogen von Kanälen. Also eine Location wie gemacht für mich.

Die Anfahrt war relativ unproblematisch, nur bei der Rhein/Grenzüberquerung in Kehl sollte man ein paar Minuten mehr einplanen, denn hier kämpft man sich durch eine riesige, unübersichtliche und chaotisch befahrene Dauerbaustelle als wäre man bereits im tiefsten Süden Frankreichs. Angekommen in Strasbourg folgt man am besten dem hervorragenden Parkleitsystem und stellt sein Auto in irgendeinem Parkhaus am Rand der ‚Altstadt-Insel‘ ab und geht zu Fuß weiter. Ich habe im Austerlitz-Parkhaus geparkt, sehr zentral und 1,80€ für fast 5 Stunden fand ich einfach genial. Sicherlich gibt es außerhalb dieser ‚Insel‘ auch noch interessante Fotomotive, aber da es nur ein Feierabendspaziergang war, musste ich mich auf den mir scheinbar interessantesten Teil beschränken. Also raus aus dem Auto, Rucksack und Stativ auf den Rücken geschnallt und über eine der unzähligen Brücken ins Getümmel stürzen. Getümmel ist wörtlich gemeint, denn Straßbourg ist bei Touristen sehr beliebt, was sich in ihrer großen Anzahl niederschlägt. Mein erster Anlaufpunkt war natürlich das allesüberragende Straßburger Münster. Diese riesige gothische Kathedrale macht sich bestimmt gut als HDR, dachte ich mir. Leider war es noch relativ hell und der Platz um die Kathedrale relativ klein. Deshalb begnügte ich mich mit ein paar Detailaufnahmen der Pforte und zog erstmal weiter.

Unmittelbar westlich von der Kathedrale stieß ich auf den Place Gutenberg, auf dem neben unzähligen Restaurants dieses enorme, fast schon antike Kinderkarussell stand. Ein sich drehendes, beleuchtetes Kinderkarussell bei einsetzender Dunkelheit mit Langzeitbelichtung – so mag ich das.

Etwa nördlich davon wäre mein nächster Stop der Place Kleber gewesen, aber da gab’s dann nur einen leeren Platz mit – richtig, jeder Menge Restaurants. Also begnügte ich mich mit der Aufnahme eines Kiosks mit einer schönen Werbung für eine französische Tageszeitung mit dem illuminierten Antlitz von Nicolas Sarkozy und dem Kaufhaus LaFayette im Hintergrund sowie der herrlichen Fassade des VOX Kinos.

Also weiter Richtung Südosten zu meinem heimlicher Favorite – ‚Maison des Tanneurs‘. In dem gesamten Areal um dieses relativ bekannte (und auch relativ teure) Restaurant weichen immer mehr Straßen kleinen Kanälen, die mit ihren Spiegelungen die unzähligen Fachwerkhäuser gleich doppelt zur Geltung bringen. Hier konnte ich mich erstmal voll austoben. Aber irgendwie wollte es nicht richtig dunkel werden.

Also habe ich noch einen kleinen Abstecher nach Osten (runter von der ‚Insel‘) gemacht, um den beeindruckenden Glasbau des Strasbourger Bahnhofs abzulichten.

Der Weg dorthin ist allerdings weniger angenehm. Wie in jeder größeren Stadt macht auch in Strasbourg die Gegend um den Bahnhof nicht gerade den sichersten Eindruck. Fernab der Touristenhorden, mit meiner relativ teuren Kameraausrüstung auf dem Rücken und einem riesigen Stativ in der Hand, beobachtet von gefühlten 1000 Augen fühlte ich mich in der Gegend dann auch nicht ganz so wohl. Am Vorplatz des Bahnhofs angekommen, war dieses Gefühl in Anbetracht des gigantischen Glaskonstrukts und des phänomenalen Sonnenuntergangs dahinter aber sofort wieder passé. Im Inneren bietet der Bahnhof zwar nicht ganz so viel, wie er von außen verspricht, aber allein die Außenansicht mit dem sich spiegelnden Vorplatz war den Abstecher wert.

Zurück im Südosten der ‚Insel‘ wurde der Flammkuchengeruch in meiner Nase immer stärker und der Hunger immer größer. Aber in weiser Voraussicht mied ich die großen Touristenspeisungen mit multinationalen Speisekarten und machte lieber in einer Seitengasse in einer klitzekleinen Kneipe (ohne Speisekarte) Rast. Der Kellner konnte kaum Deutsch, ich kaum französisch, aber trotzdem habe ich es geschafft, ein Glas vorzüglichen Rotwein, einen phänomenalen Flammkuchen – so groß wie ein Wagenrad – und meinen obligatorischen doppelten Espresso zu bestellen. Kosten: 8,50€, Qualität: 1++.

So gestärkt zog ich nocheinmal durch die Gegend um ‚Maison des Tanneurs‘ und über einen wirren Zickzackpfad zurück zu meinem Auto.
Warum ich mich trotz Navi beim Verlassen der Stadt dann so brutal verfahren habe, konnte ich auch nach Auswertung meines GPS Loggers nicht nachvollziehen.

Fazit: Strasbourg bietet einem HDR Fotografen so eine Masse von Motiven, dass ein einzelner Abend kaum ausreicht, um sich ein abschliessendes Urteil bilden zu können. Aber dass, was ich erlebt habe, hat mich voll und ganz überzeugt, und wenn sich noch einmal die Gelegenheit bietet, werde ich auf jeden Fall auf einen weiteren Flammkuchen zurückkommen…

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